Ein berufsbegleitendes Studium im MINT-Bereich verbindet Erwerbsarbeit und Hochschulabschluss. Die Studienformen unterscheiden sich erheblich: vom Fernstudium mit wenigen Präsenzterminen bis zum Abendstudium mit festem Wochenplan. Dieser Beitrag ordnet die Modelle, beschreibt Zugangswege für beruflich Qualifizierte und zeigt, welche Finanzierungswege in Deutschland offenstehen.
MINT-Studium in Zahlen
Im Wintersemester 2025/2026 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2.876.900 Menschen an deutschen Hochschulen eingeschrieben, 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon studierten 1.046.066 ein MINT-Fach – 752.687 in den Ingenieurwissenschaften, 293.379 in Mathematik und Naturwissenschaften. MINT stellt damit gut ein Drittel aller Studierenden. Der Frauenanteil in diesen Fächern lag bei 33,2 Prozent. Auffällig ist die Verteilung nach Hochschultyp: An Fachhochschulen studierten 1.112.900 Menschen, 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr, während die Zahl an Universitäten leicht zurückging – Fachhochschulen sind zugleich die Hochschulform mit den meisten berufsbegleitenden Angeboten.
Die Studienformen im Überblick
„Berufsbegleitend“ ist kein geschützter Begriff, sondern eine Sammelbezeichnung für vier gängige Organisationsformen. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viel Präsenz sie verlangen und wie planbar die Termine sind.
| Studienform | Ablauf | Passend für |
|---|---|---|
| Fernstudium | Studienbriefe und Onlinekurse, Präsenz nur für Labore und Klausuren | Schichtarbeit, häufige Dienstreisen, ländliche Regionen |
| Abendstudium | Vorlesungen abends und an Samstagen am Hochschulstandort | Feste Arbeitszeiten, Hochschule in Wohnortnähe |
| Teilzeitstudium | Regulärer Studiengang mit reduzierter Modulzahl je Semester | Teilzeitbeschäftigung, Betreuungspflichten |
| Berufsintegriertes Studium | Studium und Tätigkeit im Unternehmen sind vertraglich verzahnt | Beschäftigte mit Unterstützung des Arbeitgebers |
Die Flexibilität eines berufsbegleitenden Studiums ist ein großer Vorteil für Berufstätige, hat aber eine Kehrseite: Der Zeitaufwand verteilt sich auf Abende, Wochenenden und Urlaubstage. Realistisch sind bei halber Modullast rund 15 bis 20 Wochenstunden. Wer die ortsunabhängige Variante prüft, findet die Details im Beitrag zu MINT-Studiengängen speziell im Fernstudium; die allgemeine Entwicklung ordnet der Beitrag berufsbegleitend studieren als wachsender Trend ein.

Zugang, Anrechnung und Studiendauer
Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte
Ein Abitur ist keine Voraussetzung. Wer eine Meister-, Techniker- oder gleichwertige Aufstiegsfortbildung abgeschlossen hat, erhält in allen Bundesländern in der Regel den allgemeinen Hochschulzugang. Mit abgeschlossener Berufsausbildung und mehrjähriger einschlägiger Berufspraxis ist ein fachgebundener Zugang möglich, häufig verbunden mit Eignungsprüfung oder Probestudium. Die Einzelheiten regeln die Hochschulgesetze der Länder und die Zugangssatzungen der Hochschulen.
Anrechnung von Vorleistungen
Berufsbegleitende Studiengänge rechnen außerhochschulisch erworbene Kompetenzen an – etwa aus einer Aufstiegsfortbildung oder aus Zertifikatskursen. Die Entscheidung trifft der Prüfungsausschuss der Hochschule, meist auf Grundlage eines Modulvergleichs. Eine Anrechnung verkürzt Studiendauer und Gesamtkosten spürbar und sollte deshalb vor der Einschreibung beantragt werden.
Wie lange dauert das Studium?
Bachelorstudiengänge sind auf sechs bis acht Semester Vollzeit angelegt. Berufsbegleitend verlängert sich das je nach Modullast auf zehn bis zwölf Semester; Masterstudiengänge liegen bei vier Semestern Vollzeit und entsprechend sechs bis acht Semestern nebenberuflich. Viele Hochschulen erlauben eine gebührenfreie Verlängerung um mehrere Semester, was bei Projektphasen im Beruf hilfreich ist.
Hochschulen und Angebote im MINT-Bereich
Berufsbegleitende MINT-Studiengänge bieten staatliche Fachhochschulen, technische Hochschulen und private Fernhochschulen an. Zu den bekannten Anbietern mit technischem Schwerpunkt zählt die Wilhelm Büchner Hochschule, eine private, staatlich anerkannte Fernhochschule mit Bachelor- und Masterprogrammen in Ingenieurwissenschaften und Informatik. Daneben stehen die FernUniversität in Hagen als einzige staatliche Fernuniversität sowie zahlreiche Fachhochschulen mit Abend- und Teilzeitmodellen.
Wer noch unsicher in der Fachwahl ist, findet an einigen Hochschulen Orientierungsangebote, etwa das Orientierungsstudium MINT der Technischen Hochschule Nürnberg. Solche Programme vermitteln in ein bis zwei Semestern Grundlagen in Mathematik, Physik und Programmierung, bevor die Entscheidung für einen Studiengang fällt.
Alternative: duales Studium
Für Berufseinsteiger ohne abgeschlossene Ausbildung ist das duale MINT-Studium der näherliegende Weg: Betrieb und Hochschule wechseln sich von Beginn an ab, das Unternehmen zahlt eine Vergütung und übernimmt meist die Studiengebühren. Der Unterschied zum berufsbegleitenden Studium liegt in der Ausgangslage – dual startet man ohne, berufsbegleitend mit bestehender Berufstätigkeit.
Finanzierung
| Weg | Träger | Kurz erklärt |
|---|---|---|
| Arbeitgeberbeteiligung | Unternehmen | Übernahme von Gebühren oder Freistellung, meist mit Bindungsfrist |
| Steuerliche Geltendmachung | Finanzamt | Fortbildungskosten sind bei Zweitausbildung grundsätzlich Werbungskosten |
| Stipendien | Begabtenförderungswerke, Stiftungen | Auch für Berufstätige, teils mit eigenen Programmschienen |
| Studienkredit | Banken, KfW | Zinsbelastung und Rückzahlungsmodalitäten vorab vergleichen |
Welche Programme im Einzelnen greifen und welche steuerlichen Regeln gelten, behandelt der Beitrag dazu, wie sich Fortbildungskosten im MINT-Bereich steuerlich absetzen lassen. Er ordnet auch die Unterschiede zwischen Aufstiegs-BAföG, Bildungsgutschein und Landesprogrammen. Für die Bewerbung um einen Studienplatz oder eine neue Stelle nach dem Abschluss hilft der Leitfaden, wie Sie einen Lebenslauf für die Bewerbung um einen MINT-Studienplatz erstellen.
Förderlandschaft und Nachwuchsarbeit
Neben der individuellen Studienfinanzierung existiert eine breite Förderlandschaft, die früher ansetzt: Bund, Länder, Stiftungen und Verbände fördern MINT-Bildung von der Schule bis in die Hochschullehre. Der MINT-Aktionsplan des Bundesministeriums bündelt die Maßnahmen auf Bundesebene, der Deutsche Bildungsserver führt die Vereine, Stiftungen und Projekte auf, und das Nationale MINT Forum hat Empfehlungen für die berufliche Bildung vorgelegt. Auf Landesebene kommen Bildungsberichte und Programme hinzu, etwa aus Niedersachsen. Angebote wie die MINT-Girls-Camps zielen auf den Geschlechterunterschied, der sich im Frauenanteil von 33,2 Prozent in MINT-Fächern noch immer zeigt.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „berufsbegleitend“ genau?
Der Begriff ist nicht geschützt. Gemeint sind Studiengänge, deren Organisation eine parallele Erwerbstätigkeit ermöglicht – als Fernstudium, Abendstudium, Teilzeitstudium oder berufsintegriertes Modell. Entscheidend für die Vergleichbarkeit ist nicht die Bezeichnung, sondern die Zahl und Lage der Pflichttermine.
Kann ich ohne Abitur ein MINT-Studium aufnehmen?
Ja. Meister-, Techniker- und gleichwertige Fortbildungsabschlüsse eröffnen in der Regel den allgemeinen Hochschulzugang, eine Berufsausbildung mit mehrjähriger Praxis den fachgebundenen. Die Voraussetzungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern und den einzelnen Hochschulen.
Wie viel Zeit muss ich einplanen?
Ein Semester mit halber Modullast entspricht etwa 15 bis 20 Wochenstunden für Lernen, Übungsaufgaben und Prüfungsvorbereitung. In Klausurphasen liegt der Aufwand höher. Wer das über mehrere Jahre tragen will, sollte Urlaubstage und Freistellungsmöglichkeiten vorab mit dem Arbeitgeber klären.
Ist der Abschluss gleichwertig zum Präsenzstudium?
Ja, sofern der Studiengang akkreditiert und die Hochschule staatlich anerkannt ist. Die Studienform wird in Zeugnis und Urkunde nicht unterschieden. Prüfen lässt sich beides über den Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz.
Wie finde ich passende Studiengänge?
Über die Studiengangsuche des Hochschulkompasses lässt sich nach Studienform, Abschluss und Fachrichtung filtern; verzeichnet sind ausschließlich staatlich anerkannte Hochschulen. Ergänzend lohnt der direkte Blick in die Studien- und Prüfungsordnung, weil dort Präsenzpflichten und Fristen verbindlich stehen.
Quellen und weiterführende Links
- Bundesministerium: MINT-Aktionsplan
- Deutscher Bildungsserver: Vereine, Stiftungen und Projekte zur MINT-Förderung
- Nationales MINT Forum: Empfehlungen zur beruflichen Bildung (PDF)
- Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften: Stellungnahme MINT (PDF)
- Land Niedersachsen: Bildungsbericht MINTdenken (PDF)
- Europäische Kommission: Hochschulbildung in Europa
- bwp@: Fachbeitrag zur beruflichen Bildung im MINT-Bereich
- Euractiv: Linksdossier MINT in Europa
- studieren-studium.com: Überblick MINT-Studium
- foerdermittel-wissenswert.de: Übersicht MINT-Förderung
- Wilhelm Büchner Hochschule: Überblick Masterstudiengänge
- Wilhelm Büchner Hochschule: Meldung „Zukunft MINT“
- Wilhelm Büchner Hochschule: Meldung „Zukunft MINT“ (zweite Fassung)
- idw: Call for Participation zum MINT-Symposium Hochschullehre
