Das Anschreiben ist in den meisten Bewerbungen das erste, was gelesen wird — und häufig das einzige, was vollständig gelesen wird. Es entscheidet, ob der Lebenslauf überhaupt geöffnet wird. Formal folgt es dem Aufbau eines Geschäftsbriefs, inhaltlich muss es in wenigen Absätzen den Bezug zwischen Ihrem Profil und der ausgeschriebenen Stelle herstellen. Beides lässt sich lernen, weil beides festen Regeln folgt.
Die Gliederung eines Bewerbungsschreibens
Ein Anschreiben besteht aus zehn Bestandteilen in fester Reihenfolge. Diese Reihenfolge stammt aus den Gestaltungsregeln für Geschäftsbriefe (DIN 5008) und wird auch dann erwartet, wenn Sie die Bewerbung per E-Mail versenden. Praktisch bedeutet das: Verfassen Sie das Schreiben in einem Textprogramm, wandeln Sie es in eine PDF-Datei um und hängen Sie diese an die E-Mail an. Nur bei einer formlosen Kurzbewerbung direkt im E-Mail-Text entfallen die Adressblöcke.
Diese zehn Punkte gehören hinein
- Adressen. Ihre eigene Anschrift und die des Unternehmens, angeordnet wie im klassischen Briefverkehr. Bei einer unformatierten E-Mail-Bewerbung ohne PDF entfallen die Adressblöcke.
- Datum. In der üblichen Form, etwa „Berlin, 14. März 2026″. Auch hier gilt die Ausnahme für die formlose E-Mail.
- Betreffzeile. So konkret, dass die Bewerbung sofort zugeordnet werden kann — mit der exakten Stellenbezeichnung und, falls vorhanden, der Referenznummer aus der Anzeige.
- Anrede. „Sehr geehrte Damen und Herren“ nur, wenn wirklich kein Ansprechpartner zu ermitteln ist. Steht ein Name in der Anzeige oder auf der Karriereseite, sprechen Sie diese Person direkt an.
- Einleitung. Zwei bis drei Sätze. Nehmen Sie Bezug auf einen vorherigen Kontakt, auf die Fundstelle der Anzeige oder auf einen konkreten Grund für Ihr Interesse an genau diesem Betrieb.
- Hauptteil. Hier stellen Sie Ihre fachlichen Qualifikationen dar und verknüpfen sie mit den Anforderungen der Stelle. Belegen Sie Aussagen mit Beispielen aus Projekten, Praktika oder bisherigen Positionen. Soft Skills gehören nur an die Stellen, an denen sie im Anforderungsprofil ausdrücklich auftauchen.
- Schlussteil. Sie bitten höflich um ein Gespräch. Vermeiden Sie den Konjunktiv: „Ich freue mich auf ein Gespräch“ statt „Ich würde mich freuen“.
- Grußformel. „Mit freundlichen Grüßen“ ist der Standard. Abkürzungen wie „MFG“ oder „LG“ gehören nicht in eine Bewerbung.
- Unterschrift. Bei einer PDF-Bewerbung eine eingescannte handschriftliche Unterschrift, bei der formlosen E-Mail lediglich der getippte Name.
- Anlagen. Zum Schluss listen Sie auf, was beiliegt: Lebenslauf, Zeugnisse, Zertifikate. Beschränken Sie sich auf Unterlagen mit Bezug zur Stelle.
Der Lebenslauf folgt eigenen Regeln und wird häufig zuerst überflogen. Wie Sie einen fehlerfreien Lebenslauf gestalten, ist deshalb in einem eigenen Beitrag beschrieben.
Sieben typische Fehler im Bewerbungsschreiben
- Fehlerhafte persönliche Angaben. Ein falsch geschriebener eigener Name, eine veraltete Telefonnummer oder ein Zahlendreher in der Adresse lassen die gesamte Bewerbung nachlässig wirken — und machen eine Rückmeldung im ungünstigsten Fall unmöglich.
- Floskelhafte Einleitung. „Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle“ enthält keine Information, die nicht schon im Betreff steht. Nutzen Sie die ersten Sätze für einen erkennbaren Bezug zum Unternehmen.
- Übernommene Vorlagen. Vorlagen aus dem Internet sind für Layout und Formatierung nützlich. Übernehmen Sie jedoch die Textbausteine, fällt das auf: Personalverantwortliche lesen dieselben Formulierungen mehrfach pro Woche.
- Unbelegte Behauptungen. Stellen Sie Ihre Stärken heraus, aber bleiben Sie nachprüfbar. Angegebene Kenntnisse werden im Fachgespräch abgefragt — spätestens dort fällt auf, was nur auf dem Papier steht.
- Konjunktiv. „Ich könnte“, „ich würde“, „vielleicht“ lassen Sie unsicher wirken. Formulieren Sie im Indikativ.
- Nacherzählter Lebenslauf. Die Stationen stehen bereits im Lebenslauf. Im Anschreiben greifen Sie nur die zwei bis drei Erfahrungen heraus, die zur Stelle passen, und erklären ihren Bezug.
- Fehlende oder zu große Anhänge. Prüfen Sie vor dem Absenden, ob alle Dateien angehängt sind. Fassen Sie die Unterlagen möglichst in einer PDF-Datei zusammen und achten Sie auf die Dateigröße; viele Postfächer nehmen Anhänge über zehn Megabyte nicht an.
Der Hauptteil in drei Schritten
Am Hauptteil scheitern die meisten Anschreiben, weil dort Eigenschaften aufgezählt statt Zusammenhänge hergestellt werden. Ein tragfähiger Absatz folgt immer demselben Dreischritt: Anforderung aufgreifen, Beleg liefern, Nutzen benennen.
- Anforderung aufgreifen. Nehmen Sie eine Formulierung aus der Ausschreibung wörtlich auf, etwa „Erfahrung in der Inbetriebnahme von Prüfständen“.
- Beleg liefern. Nennen Sie eine konkrete Station: Wo, wie lange, in welcher Rolle, mit welchem Ergebnis. Zahlen wirken hier stärker als Adjektive.
- Nutzen benennen. Sagen Sie in einem Satz, was das Unternehmen davon hat — kürzere Einarbeitung, eine Methode, die dort noch fehlt, eine Zertifizierung, die gefordert ist.
Ein Beispiel: „In meiner Abschlussarbeit habe ich einen Prüfstand für Getriebekomponenten in Betrieb genommen und die Messsoftware angepasst. Die Ergebnisse flossen in die Serienfreigabe ein. Da Sie laut Ausschreibung denselben Steuerungstyp einsetzen, kann ich ohne lange Einarbeitung mitarbeiten.“ Drei Sätze, ein nachprüfbarer Beleg, ein klarer Bezug zur Stelle.
Zwei bis drei solcher Absätze füllen den Hauptteil. Mehr passt nicht auf eine Seite — und mehr ist auch nicht nötig, weil die vollständige Übersicht ohnehin im Lebenslauf steht.
Wenn keine Stelle ausgeschrieben ist
Dieselben Regeln gelten, wenn Sie eine Initiativbewerbung ohne Stellenanzeige versenden — mit einem Unterschied: Weil das Anforderungsprofil fehlt, müssen Sie es aus öffentlich zugänglichen Informationen selbst herleiten und im Hauptteil erkennbar darauf Bezug nehmen. Auch bei einer Bewerbung um einen Platz im dualen Studium wird ein vollständiges Anschreiben erwartet; hier tritt an die Stelle der Berufserfahrung die Begründung für Fach- und Unternehmenswahl.
Führt das Anschreiben zur Einladung, verschiebt sich der Maßstab: Im Gespräch zählen neben der Fachkenntnis vor allem soziale Kompetenzen. Wie sich emotionale Intelligenz als Erfolgsfaktor im weiteren Bewerbungsprozess auswirkt, lesen Sie im zugehörigen Beitrag. Weitere Beiträge zum Thema sammelt die Rubrik Bewerbung und Karriere.
Häufig gestellte Fragen
Wie lang darf ein Bewerbungsanschreiben sein?
Eine DIN-A4-Seite. Wird der Text länger, streichen Sie zuerst allgemeine Aussagen über sich selbst und behalten Sie die Stellen mit konkretem Stellenbezug. Drei bis vier Absätze im Fließtext sind der Regelfall.
Ist ein Anschreiben noch Pflicht?
Nicht überall. Einige Unternehmen verzichten in Online-Formularen bewusst darauf oder fragen stattdessen einzelne Motivationsfragen ab. Wo ein Anschreiben vorgesehen ist, wird es gelesen und bewertet. Fehlt eine ausdrückliche Angabe, legen Sie eines bei.
Was gehört in die Betreffzeile?
Die exakte Stellenbezeichnung aus der Ausschreibung, gegebenenfalls die Referenznummer und der frühestmögliche Eintrittstermin. Das Wort „Betreff“ selbst wird nicht geschrieben.
Wie gehe ich mit Lücken im Werdegang um?
Lücken gehören in den Lebenslauf, nicht ins Anschreiben. Nur wenn eine Unterbrechung für die Stelle Bedeutung hat — etwa eine Weiterbildung oder ein Auslandsaufenthalt —, erwähnen Sie sie im Anschreiben in einem Satz und ordnen sie sachlich ein.
Was schreibe ich in den Text der E-Mail?
Zwei bis drei Sätze: eine Anrede, der Hinweis auf die Bewerbung mit Nennung der Stelle, ein Verweis auf die angehängten Unterlagen, Grußformel. Das vollständige Anschreiben gehört in die PDF-Datei, nicht in den Mailtext — sonst steht es zweimal dort. Als Betreff der E-Mail verwenden Sie dieselbe Angabe wie in der Betreffzeile des Anschreibens.